Das Märchen von den besseren ETF

Print Friendly, PDF & Email
ETF
Was sind eigentlich ETF ? Und sind sie wirklich besser als gemanagte Fonds ?

Das Märchen von den besseren ETF

Seit der Zulassung der ersten „Exchange traded Funds“ (ETF) in Deutschland im Jahr 2000, wird immer wieder behauptet, dass ETFs „besser“ für Anleger sein, als „normale“ aktiv verwaltete Investmentfonds. Häufig werden dabei folgende drei Behauptungen als Fakten kolportiert:

  1. ETF sind kostengünstiger als aktiv verwaltete Fonds.
  2. ETF haben eine bessere Performance als die meisten aktiv verwalteten Fonds.
  3. ETF bringen dem Anleger einen höheren Gewinn nach Kosten im Depot.

Warum dieses Märchen bei oberflächlicher Betrachtung schnell als vermeintliche Wahrheit anerkannt wird, ist nicht verwunderlich. Bei Kenntnis der Besonderheiten von ETFs und aktiven Fonds und bei einem Blick „von oben“, wird jedoch schnell klar, dass es sich nur um ein Märchen handelt.

Beginnen wir doch gleich mit den o.g. Fakten. Alle drei Behauptungen oben sind teilweise korrekt und trotzdem falsch ! Sie sind nun verwirrt ? Kein Wunder. Begriffe wie Kosten, Performance und Gewinn sind immer relativ zu betrachten. Der Zusammenhang der genannten Faktoren innerhalb eines Wertpapierdepots in Verbindung mit den Zielen eines Anlegers, entwickelt im Ergebnis eine komplett andere Bedeutung. Betrachten wir die einzelnen Faktoren einmal unter diesem Gesichtspunkt.

1. Behauptung: geringere Kosten bei ETF

In der Tat weisen ETFs deutlich niedrigere Verwaltungskosten aus, als aktive Fonds. Die Kostenbetrachtung ist dabei jedoch nur relevant, wenn man bei zwei unterschiedlichen Produkten bei gleicher Anlagedauer die gleiche Performance unterstellt. Die Kosenbelastung bei unterschiedlicher Performance verliert im direkten Vergleich die Relevanz. In zwei Beispielen möchte ich das verdeutlichen.

Vorgaben:

In beiden Beispielen werden in eine Anlage A und B jeweils € 10.000 für 1 Jahr investiert. Anlage A hat eine Kostenbelastung in Höhe von 2% p.a. Anlage B belastet Kosten von 1% p.a. Die Kostenbelastung erfolgt jeweils am Ende des Jahres vom Endkapital.

Beispiel 1 – Gleiche Performance:

  • Anlage A – Kosten 2% – Performance 10%
  • Anlage B – Kosten 1% – Performance 10%

Anlage A – Ergebnis vor Kosten: € 11.000 / nach Kosten: € 10.780

Anlage B – Ergebnis vor Kosten: € 11.000 / nach Kosten: € 10.890

Durch die geringeren Kosten der Anlage B erzielt – bei gleicher Performance – Anlage B ein besseres Ergebnis am Ende der Anlagedauer im Vergleich. Bei identischer Gewinnentwicklung ist die Kostenbetrachtung also relevant und sinnvoll.

Was jedoch, wenn die Anlageprodukte A und B zwei unterschiedliche Endbeträge erzielen ? Wie wirken sich dann die jeweiligen Kosten aus ?

Beispiel 2 – Unterschiedliche Performance:

  • Anlage A – Kosten 2% – Performance 12%
  • Anlage B – Kosten 1% – Performance 10%

Anlage A – Ergebnis vor Kosten: € 11.200 / nach Kosten: € 10.976

Anlage B – Ergebnis vor Kosten: € 11.000 / nach Kosten: € 10.890

Trotz der doppelten Kostenbelastung der Anlage A, erzielt der Anleger bei einer um 2% p.a. höheren Performance ein höheres Nettokapital.

Fazit

Kosten sind demnach immer in Relation zur erzielten Rendite zu betrachten. Anders gesagt: Wenn der Anleger mit Produkt A eine deutlich höhere Rendite erzielen kann als mit Produkt B, dann führen selbst höhere Kosten im Produkt A zu einem besseren Endergebnis im Vergleich zu Produkt B.

Optimiert werden diese Erkenntnisse zusätzlich, wenn das bessere Ergebnis zudem mit einer geringeren Schwankungsbreite erzielt werden kann. Genau darum geht es dem Anleger immerhin. Eine möglichst hohe Rendite, bei vergleichsweise geringer Schwankungsbreite (Volatilität), als Maßstab für das Risiko bei Wertpapieren.

 2. Behauptung: bessere Performance mit ETF

Auch diese Behauptung stimmt häufig. Die amerikanische Ratingagentur „Standard & Poor’s“ hat in einer Studie aus dem Jahr 2013 belegt, dass ca. 60% der Fonds mit US-Aktien ihren jeweiligen US-Vergleichsindex (z.B. Dow Jones, S&P500 etc.) nicht schlagen konnten. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass es sehr wohl aktive Fonds gibt, die ihren Vergleichsindex langfristig schlagen.

Bei der Suche nach einer geeigneten Kapitalanlage soll das Anlageprodukt die Wünsche und Ziele eines Anlegers möglichst umfassend erfüllen. Wegen einer vermeintlich höheren Performance einen ETF zu wählen, kann in der Folge zu Fehleintwicklungen führen. Die Fonds müssen nämlich in das gewünschte Risikoprofil des Anlegerdepots passen. Da ETFs den jeweiligen Markt (z.B. den DAX) abbilden, beinhalten sie aber auch genau das gleiche Risiko – in Form der Volatilität – des Index. Und diese Volatilität könnte das gewünschte Gesamtrisiko des Depots übersteigen.

Fazit

Wer aufgrund dieser Behauptung sein Depot mit ETFs bestückt, holt sich u.U. Schwankungsbreiten ins Depot, welche das geplante Gesamtrisiko sprengen. Eine Risikoadjustierung in einem Depot mit ETFs zu gewährleisten, ist Profiarbeit und Privatanleger sind damit in der Regel überfordert. Selbst erfahrene Anlageberater haben damit erhebliche Schwierigkeiten und einen gehörigen Aufwand.

Es geht einfacher. Aktiv verwaltete Fonds in Form von Mischfonds oder vermögensverwaltende Multi-Asset-Fonds haben diese Risikoadjustierung permanent eingebaut. Die höheren Kosten eines aktiven Fonds sind wenigstens dann gerechtfertigt, wenn ein solcher Fonds mindestens die gleiche Rendite wie ein ETF erzielt, die Schwankungsbreite aber langfristig deutlich geringer ist.

3. Behauptung: Höherer Gewinn nach Kosten bei ETF

Diese Behauptung wird gern mit folgender Vergleichsrechnung zu beweisen versucht:

ETF

In der obigen Grafik werden Veraltungskosten im ETF mit 0,3% angegeben. Je nach ETF können jedoch bis zu 1% an Verwaltungskosten anfallen. Ebenso wurde unterschlagen, dass – bei Kauf und Verkauf über die Börse – Börsengebühren und – im Parketthandel – Maklercourtagen fällig werden. Nur im außerbörslichen Handel werden i.d.R. keine Handelsgebühren berechnet. Fondsberater, die Kunden in Sachen ETF beraten und Depots zusammenstellen, erheben i.d.R. „Servicegebühren“, die ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Fazit

Diese Gegenüberstellung ist mehr als fehlerhaft. Wenn Kosten wie oben verglichen werden, dann sollten auch alle möglicherweise anfallenden Kosten aufgeführt werden. Überwiegend werden die Gesamtkosten bei ETF-Depots unter professioneller Betreuung eben nicht deutlich günstiger sein, als die Kosten aktiver Fonds. Zumindest dann nicht, sobald ETF-Depots von Beratern professional betreut werden. Der größte Widerspruch in der obigen Gegenüberstellung ist das Anlageziel. Wenn der aktive Fonds den ETF schlagen soll, warum wird dann aber mit einer gleichen Rendite von 5% gerechnet ? Diese Grafik ist kein Beweis für eine bessere Performance. Wir zeigen unten, dass aktive Fonds vergleichbare ETFs deutlich schlagen und diese Fonds von professionallen Fondsberatern schnell zu finden sind.

Vergleich aktiver Fonds mit ETF (gleiches Anlageuniversum)

Wie bereits dargelegt, sind kundige Anleger – oder deren erfahrene Fondsberater – in der Lage für das gewünschte Fondsdepot aktive Fonds zu finden, die den entsprechenden ETF hinsichtlich Rendite und Volatilität deutlich hinter sich lassen.

Beispiel – Aktienfonds Europa vs. ETF europäische Aktien

ETF

Eindrucksvoll schlägt der europäische Aktienfonds von Threadneedle seinen vergleichbaren ETF. Wärend der ETF in den letzten 13 Jahren bei einer Schwankungsbreite von 14,42% eine jährliche Rendite von 2,83% p.a. erzielte, brachte der aktive Fonds pro Jahr eine Rendite (inkl. Ausgabeaufschlag, nach Kosten; ohne Depotgebühren) von 13,34%. Trotz der optisch größeren Kursverluste in der Baisse von 07.07 bis 03.09 und 2001, betrug seine Schwankungsbreite (Vola) sogar nur 11,01%.

Beispiel – Aktienfonds Welt vs. ETF Aktien Welt

ETF

Bei der Anlage in weltweite Aktien zeigt der ETF Welt in den letzten 9 Jahren einen Wertzuwachs von 61,63% bei einer Vola von 14,65%. Der aktive Fonds Carmignac Investissement A legte im gleichen Zeitraum mit einem Zuwachs von fast 107% mehr als eine Wertverdoppelung hin (inkl. Ausgabeaufschlag, nach Kosten; ohne Depotgebühren). Seine Volatilität lag dabei ebenfalls unterhalb des ETF Welt.

Direkter Vergleich zwischen aktive Fonds und ETFs sinnvoll ?

Ein direkter Vergleich wäre nur fair, wenn ETF und aktiver Fonds das gleiche Anlageuniversum abbilden würden; z.B. einen Index wie den DAX. Moderne aktiv verwaltende Fonds versuchen bereits innerhalb ihrer jeweiligen Wertpapierverteilung eine Risikoreduzierung gegenüber der Vergleichsindizes zu erreichen. Somit ist eine direkter Vergleich nicht nur selten möglich, sondern häufig auch nicht zielführend.

Ein Anleger benötigt ein optimiertes Chance-Risiko-Profil in seinem Depot. Dass dieses über eine Diversifizierung in Anlageregionen und Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Cash etc.) zu erreichen ist, sollte bekannt sein. ETFs replizieren überwiegend eine bestimmte Anlageklasse wie z.B. Aktienindizes oder europäische Staatsanleihen. Eine Diversifizierung mit ETF bedeutet dabei erheblichen Aufwand und umfassende Detailkenntnisse des jeweiligen ETF, um das gewünschte Risikoprofil zu erhalten. Welcher Privatanleger kann das ? Welcher Anlageberater kann das ? Und wenn er es kann, kann er das unentgeltlich ? Ein solcher Expertenservice kostet Geld, verursacht also zusätzliche Kosten, die berücksichtigt werden müssen.

Aktive Fonds bieten Zusatznutzen

Bei aktiven Fonds gibt es diese Risikoadjustierung bereits innerhalb eines Fonds. Echte Mischfonds teilen das Fondsvermögen in Anlagen aus Aktien und Anleihen auf. Modern Multiassetfonds gehen einen Schritt weiter und fügen weitere Anlageklassen (z.B. Rohstoffe, Edelmetalle u.a.) bei Bedarf hinzu. Damit ist in dieser Fondskategorie quasi eine echte Vermögensverwaltung enthalten. Ein einziger Multiassetfonds ersetzt somit mehrere ETFs, die der Anleger mühevoll finden müsste, um das gleiche Chance-Risikoprofil für sein Depot herzustellen. Dieser zusätzliche Nutzen rechtfertigt m.E. die meist höheren Kosten aktiver Fonds. Hinzu kommt, dass die Anzahl geeigneter aktiver Fonds ungleich höher ist, als die Anzahl geeigneter ETFs um das angestrebte Depotprofil zu erhalten.

Starke aktive Fonds schlagen ETFs  (gleiche Anlageregion, ungleiche Assets)

Beispiel – Mischfonds Europa vs. ETF europäische Aktien

ETF

Ein Anleger, der in europäische Aktienwerte investierte, erzielte in den letzten 6,5 Jahren mit dem ETF Europa eine Rendite von 1,9% p.a. bei einer Schwankungsbreite von fast 16%. Ein kaum erbauliches Ergebnis, da nach Berücksichtigung der Inflation eine „Null“ übrig bleibt. Der Mischfonds „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ (aktuelle Aufteilung in Aktien-/Anleihen/Cash: 56%/24%/20%) brachte dem Anleger im gleichen Zeitraum eine Rendite von über 10% p.a. bei einer geringen Vola von 9,41%. Der Mischfonds „Ethna-Aktiv“ (aktuelle Aufteilung in Aktien-/Anleihen/Cash: 23%/63%/14%) brachte dem Anleger mit fast 6% p.a. eine mehr als 3fache Rendite gegenüber des ETF, bei einer Schwankungsbreite von unter 3%. Bei den Ergebnissen der aktiven Fonds sind ebenfalls die Fondskosten (inkl. Ausgabeaufschlag, ohne Depotgebühren) bereits berücksichtigt.

ETF nur für wenige Anleger geeignet

ETFs sind – wie andere Finanzinstrumente auch – ein Werkzeug zur Kapitalanlage. Und mit einem Werkzeug muss man umgehen können. Anderenfalls kann es mehr zerstören, als es nutzt. Das belegt eindrücklich die Studie „The Dark Side of ETFs“, aus dem Jahr 2013, von Wissenschaftlern der US-Universität Kely School of Business und der Frankfurter Goethe-Universität.

Das Ergebnis der Studie brachte hervor, dass unerfahrene Anleger, welche über 2,5 Jahre Ihr Depot mit ETFs bestückten deutlich schlechter abschnitten, als Anleger, welche aktive Fonds ins Depot kauften. Trotz deutlich geringerer Kosten erzielten sie ein schlechteres Ergebnis und vergrößerten dabei sogar noch die Schwankungsbreite in ihren Depots. Eine Ursache war dabei unter anderem, dass die ETF-Anleger häufiger handelten als die Inhaber der aktiven Fonds. Paradox dabei ist, dass die passiven Fonds genutzt wurden, um aktiv die Märkte zu handeln. Der Versuch immer die günstigsten Kaufkurse zu erwischen und bei Höchstkursen zu verkaufen – Market-Timing genannt – ist ein weit verbreiteter Anfängerfehler.

Resümee

Dieser Artikel über den Vergleiche aktiver Fonds mit ETFs soll zeigen, dass das Märchen von den heilbringenden ETF differenziert betrachtet werden muss. Für versierte Anleger und kundige Anlageberater macht die gezielte und strategische Beimischung von ETFs eine Berechtigung haben. Ob Sie zu einem „besseren“ Ergebnis im Depot führen., als mit dem professionellen Einsatz aktiver Fonds, sollte nun zumindest zweifelhaft sein.

Foto: Baron Münchhausen+WikiImages / pixabay.com

Unser Service

Eine umfassende Investmentberatung erhalten Sie gern von uns. Sie besitzen bereits ein Fondsdepot ? Sie sind mit der Entwicklung unzufrieden oder sind unsicher, ob die Fonds zu Ihrer Planung und Anlegermentalität passen ? Wenden Sie sich an uns. Gern führen wir für Sie eine Depotanalyse durch. Senden Sie uns Ihre Wünsche mit unserem Kontaktformular per Email. Sofern Sie uns nicht in unserem Büro besuchen können, führen wir auch gern eine Online-Beratung via „Online-Konferenz“ durch.


Eine Antwort zu “Das Märchen von den besseren ETF”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.



Protected by WP Anti Spam