Erfahrungen mit Produktanbietern – Unfallversicherung InterRisk

Wir freuen uns, wenn Sie den Beitrag teilen!

Unfallversicherung kündigt nach Bagatellschaden (InterRisk)

Unfallversicherung

Prolog

Regelmäßig werden wir über die tägliche Praxis im Umgang und in der Kommunikation mit Produktanbietern (hauptsächlich Versicherungen) berichten. Jeder Verbraucher sollte wissen, wie Produktanbieter arbeiten und wie die Arbeit organisatorisch, technisch und menschlich abgewickelt wird. Dabei berichten wir über den Kontakt von Versicherungsmakler zu Produktanbieter aber auch von Kunde zu Produktanbieter.

Eine Versicherungsgesellschaft ist ein betriebswirtschaftlich aufgestelltes und handelndes Wirtschaftsunternehmen … oder sollte es – nach allgemeinem Verständnis – eigentlich sein. Als Teil der Volkswirtschaft ist jede Versicherung ein Spezialist für die Berechnung, die Übernahme und die Verwaltung von Risiken. So ist der Zweck einer Versicherung in einem Satz zu definieren. Danach sollte man annehmen, dass sich die Spezialisierung selbstverständlich auch auf Instrumente des Unternehmens – wie Personal, Software, EDV, Organisation, Kommunikation, Service u.ä. – bezieht. (Ähnliches gilt auch für alle Produktanbieter aus dem Sektor Kapitalanlagen, Investment und Finanzen) Das dieses leider eine irrige Annahme ist, wollen wir mit unseren Artikeln „Erfahrungen mit Versicherern“ aufzeigen.

Freuen Sie sich auf lustige, unglaubliche, peinliche, ärgerliche und interessante Berichte aus der Praxis.

Heute ein weiterer Artikel aus der Reihe „Erfahrungen mit Produktanbietern“:

Unfallversicherung der InterRisk – Versicherungen

Die Unfallversicherung der InterRisk gehört zum Besten, was man für die Invaliditätsabsicherung (Unfallversicherung) bekommen kann. Keine anderen Unfallbedingungen sind derart umfassend und hochwertig. Seit vielen Jahren hält die Unfallversicherung der InterRisk ihren Vorsprung unangefochten, wenn auch Mitbewerber ständig versuchen, ihre Bedingungen zu verbessern.

Seit 2001 erhalten etwa 95% unserer Kunden den notwendigen Versicherungsschutz gegen Invaliditätsschäden durch Unfall von der InterRisk. Das könnte sich für die Zukunft nun ändern …

Ein realer Versicherungsfall

Ein Neukunde teilte uns mit, dass er bei der InterRisk eine Unfallversicherung von seinem ehemaligen Versicherungsmakler vermittelt bekommen hatte. Dieser Vertrag wurde ihm nach einem Unfallschaden (der mitversicherten Tochter) von der InterRisk gekündigt. Wir haben die Unterlagen unseres Kunden geprüft und folgendes festgestellt:

  • Seit 2000 war unser Kunde mit seinen zwei Kindern versichert.
  • Neben einer Invaliditätssumme waren auch hohe Unfall-Renten versichert.
  • Die Jahresprämie betrug über € 800,00 pro Jahr.
  • In den letzten 12 Jahren wurden an die InterRisk insgesamt 6 Unfälle der Kinder gemeldet.
  • 5 Unfälle führten  jedoch zu keiner Invalidität und somit zu keiner Leistung.
  • Ein Unfall einer Tochter im Jahr 2010 führte zu einer Beeinträchtigung eines Arms in Höhe von 10%.
  • Für einen Arm beträgt der Invaliditätsgrad in den hochwertigen Versicherungsbedingungen (AUB 2008-XXL) 80% .
  • Die Invaliditätsleistung betrug demnach 8% aus der Invaliditätssumme.
  • Die Schadenzahlung betrug somit € 6.103,25.
  • Kurz nach der Schadenzahlung erhielt unsere Kunde die Kündigung des gesamten Vertrages.

FRF Finanzmakler schaltet sich ein

Nach der Prüfung der Kundenunterlagen sprachen wir mit der Schadenabteilung der InterRisk, um den Sachverhalt zu klären. Hier lesen Sie unsere Telefonnotiz in Kurzform:

Telefonnotiz – Vorgang N.H. – VU-Kündigung nach Schaden – Vertrag UV 00.xxx.xxx.P:

Anruf bei InterRisk /  Frau Stephan am 13.12.12 – 14 Uhr:

Fr. St.:

Es wurden in den letzten Jahren insgesamt 6 Unfallmeldungen bearbeitet. Einer (2010 – VP: V.H.) führte zu einer Invaliditätsleistung. Jede Schadensmeldung verursacht Kosten bei uns.

FRF:

Schadensmeldungen gehören zu den Obliegenheiten. Wenn die InterRisk das zum Anlass nimmt, um den Vertrag zu kündigen, haben wir dafür kein Verständnis. Es muss überlegt werden, ob die UV der InterRisk noch vermittelt werden kann. Die Abteilungsleiterin (Schaden) möchte uns bitte in der Angelegenheit noch einmal zurück rufen, um die Möglichkeit eines  Neuvertrages zu erörtern.

Rückruf durch InterRisk / Frau Stephan am 13.12.12 – 14:15 Uhr:

Die Abteilungsleiterin hat keine Zeit. Aber nach Rücksprache mit ihr, kann die InterRisk keinen Neuvertrag mehr anbieten. Jede Schadensmeldung wird bei der InterRisk als „Schaden“ geführt und bearbeitet … und führt zu Kosten !

FRF:

Unverständnis erklärt, da es keine „Strafe“ dafür geben kann, dass ein Kunde es für gut und richtig hält, einen Schaden frühzeitig zu melden. Weiterhin gehört es zu den Obliegenheiten eines Kunden, jeden Schaden unverzüglich zu melden. Wir werden diesen Vorgang  mit dem Vorstand der InterRisk diskutieren.

Kunde wird für die Erfüllung vertraglicher Pflichten bestraft

Im Ergebnis wird unser Kunde mit der Vertragskündigung dafür bestraft, dass er genau das erfüllt, was die „Obliegenheiten“ ihm vorschreiben.

㤠7 Obliegenheiten nach Eintritt eines Unfalles

1. Hinzuziehung eines Arztes und Meldung des Unfalles.

Nach einem Unfall muss ein Arzt hinzugezogen und uns Mitteilung gemacht werden. … “

Die InterRisk rechtfertigt die Kündigung mit den Bearbeitungskosten von sechs Unfallmeldungen. Bei durchschnittlichen Kosten je Schadenbearbeitung von ca. € 200,00 pro Fall, ergeben sich ca. € 1.200 Bearbeitungskosten. Rechnen wir die Schadenzahlung von € 6.100 hinzu ergeben sich für 12 Versicherungsjahre Gesamtkosten des Vertrages von ca. € 7.300.  Im Vertragszeitraum wurden aber Beiträge in Höhe von ca. € 9.000 bezahlt. Der Vertrag liegt für die InterRisk demnach immer noch weit in der Gewinnzone.

Was ist das beste Bedingungswerk wert, wenn der Kunde den Versicherungsschutz schnell verlieren kann ?

Wir können der Argumentation der InterRisk in keiner Weise folgen. Mehr noch; wir fragen uns, ob wir zukünftig noch Verträge an die InterRisk vermitteln können, wenn der Kunde seinen Versicherungsschutz derart schnell – und durch das Befolgen der Obliegenheiten – verlieren kann. Wir werden unsere Entscheidung von der Antwort durch den Vorstand der InterRisk abhängig machen. In den nächsten Tagen wird der Vorstand diesen Vorgang zur Prüfung und Kommentierung von uns erhalten.

Wir werden über die Antwort des Vorstandes hier berichten.

Foto: cute-18833+PublicDomainPictures / pixabay.com

Wir freuen uns, wenn Sie den Beitrag teilen!

Über Frank Rindermann 259 Artikel
Frank Rindermann - Ihr Versicherungsmakler in Karlsruhe - ist seit 1991 in der Finanzdienstleistung tätig. 2001 gründete er "FRF Finanzmakler", um als unabhängiger Versicherungsmakler für seine Kunden tätig zu sein. Heute betreut er Privatpersonen, Selbständige und Gewerbe-Kunden mit ihrem gesamten Vertragsuniversum an Versicherungs- und Finanzprodukten. Seine Spezialbereiche sind die Altersvorsorge, die Absicherung von Erwerbseinkommen, die private Krankenversicherung und die Kapitalbildung mit kundenspezifischen Investmentfonds Depots.

10 Kommentare

  1. Hat der Kunde tatsächlich 9.000 € bezahlt?

    Wenn dem so ist, dann sind, um die genaueren Kosten zu betrachten, aus diesem Betrag die Versicherungsteuern in Höhe von 19% herauszurechnen, denn diese vereinnahmt der Versicherer für den Finanzminister; sie sind für die Vers. Gesellschaft nur ein durchlaufender Posten.

    Bleibt also eine Nettoprämie von 7.563 € übrig.

    An einem Versicherungsvertrag wollen bekanntermaßen die verschiedensten Leute aus den verschiedensten Gründen, und das ist legitim, „verdienen“.
    Der Vermittler seine Provision.
    Die Damen und Herren in der Gesellschaft bekommen Gehalt, werden krank, fahren in den Urlaub, und im Winter wollen die warm und im Sommer ggfs. klimatisiert sitzen und arbeiten.
    Und die Aktionäre wollen für Ihre Papiere Dividende sehen.

    Wenn ich hier jetzt für all die zuvor genannten Punkte zusammen einen Satz von 30% insgesamt annehme, ich vermute dass dieser Satz tatsächlich noch etwas höher ist, aber mehr brauche ich für die folgende Betrachtung nicht, dann ergibt sich folgende Rechnung:
    7.563 € – 30% = 5.294 €.

    5.294 € bleiben dem Versicherer somit für die Anlage und die Regulierung von Schäden. Das ist vor dem Hintergrund der erwähnten 9.000 gezahlten € natürlich niederschmetternd, aber is so.

    Die IR hätte vermutlich nicht das geringste Problem gehabt, gottlob ist das nicht passiert, z.B. 350 T€ oder 500 T€ für eine Vollinvalidität zu bezahlen. Für einen Schaden.

    Im vorliegenden Fall haben wir es aber mit sog. „Frequenzschäden“ zu tun, also mit eher kleineren aber stets so oder ähnlich wiederkehrenden Schäden. Und diese Art von Schäden mag gar kein Versicherer, denn:
    Jeder Schaden, bzw. dessen „Anlage“ beim Versicherer, kostet Geld. Die Stückkosten für die Anlage eines Schadens werden nicht von der schließlichen Höhe des Schadens getrieben. Jede Schadenanlage kostet völlig unabhängig von der letztlichen Höhe des Schadens Geld.

    Dass sich der Versicherer von „so einem Risiko“ trennt, ist, leider, nur allzu verständlich. Ich gebe allerdings zu, dass das im vorliegenden Fall eher suboptimal gelaufen ist, um mit Gerhard Schröder zu sprechen. Auf deutsch: Völlig daneben. Aber bitte auch daran denken, dass dort, wo Menschen arbeiten, auch Fehler geschehen. Das hätte man viel eleganter lösen können. Und ja, ich kenne das eigentlich auch, dass einem als Vermittler seitens der Gesellschaft nahegelegt wird, mit Fristsetzung, einen solchen Vertrag umzudecken. Dass das hier nicht geschehen ist, ist sicherlich bedauerlich, aber: Fehler geschehen.

    Und bei „richtiger“ Kommunikation gegenüber einem neuen Versicherer sollte die für einen neuen Versicherer vor dem Hintergrund der Schadenfrequenz nachvollziehbare Kündigung eigentlich nicht das Problem darstellen. Das Problem bleibt auch für den neuen Versicherer nicht die Schadenquote der vergangenen Jahre sondern schlicht und einfach auch wieder die Schadenfrequenz.

    Aber schön, dass Sie, Herr Rindermann, auch diese Kuh für Ihren Kunden vom Eis holen konnten.

    Ich habe, bin übrigens Branchenkollege von Ihnen, war klar, näch? :-)bisher ausschließlich sehr gute Erfahrungen mit der IR sammeln können. Nicht nur im Unfallbereich sondern auch bei den Sachversicherungen.

    Grüßle
    K. Wittkowski

    • Hallo Kollege Wittkowski,

      vielen Dank für Ihre Ausführungen.
      Selbstverstädlich sollte immer auch die Gegenseite in einem Versicherungsvertrag berücksichtigt werden. Versicherer sind ein wirtschaftliches Unternehmen; keine Frage. Auf der anderen Seite hat eine Versicherung auch einen sozialökonimischen „Auftrag“. Finanzielle Risiken Eizelner werden durch kleine Beiträge innerhalb einer (Versicherten)Gruppe finanziert.

      Wir sind uns wenigenstens in dem Punkt einig, dass die Interrisk hier wenig „Fingerspitzengefühl“ gezeigt hat.
      Meiner Meinung nach hat der Versicherer hier aber noch mehr gezeigt: Die bloße „Kosten-/Nutzenrechnung“ wird ganz unverblühmt als Argument genutzt, um ein „vermeintlich“ erhöhtes Risiko los zu werden. Die Schadensquote war hier eben noch nicht „im roten Bereich“.
      Sich eines solchen Vertrages zu entledigen, widerspricht dem Sinn und Zweck einer Versicherung.
      Das hätte ich mir von einer InterRisk etwas anders gewünscht.
      Immerhin leiden auch wir Makler unter dem schlechten Image, welches die Versicherer durch solche wenig feinfühligen Auftritte gegenüber Kunden hinterlassen.

      Mit bestem Gruß
      Frank Rindermann

  2. Gute Bedingungen – aber Papier ist geduldig. Was nutzen gute Bedingungen, wenn der Versicherer von den Eltern ihres tödlich verunglückten 16 jährigen Sohnes nach mehr als drei Monaten vordruckmäßig die „Unterschrift der verletzten Person“ verlangt?
    Auf die Anfrage, wie das gehen soll, fehlt noch heute die Antwort. Allerdings wurde inzwischen die Todesfall-Leistung „ohne weitere Prüfung“ angekündigt

    • Ein unschönes Beispiel, dass die Arbeit von Sachbearbeitern nach „Arbeitsanweisungen“ zu unlogischen Fehlern führt, welche nicht nur Kunden verärgert. Mit ein wenig mehr Eigenverantwortlichkeit bei den Sachbearbeitern könnten solche Peinlichkeiten leicht vermieden werden.

    • Hallo Herr Brausewein,

      die hier geschilderte Alternative zur Interrisk ist ein TOP-Tarif der Baseler Versicherungen, der eine Reihe von frei wählbaren Erweiterungen und Ergänzungen bietet.

      Wir hoffen Ihnen geholfen zu haben.

      Gruß
      Frank Rindermann

  3. Wir wollen für unsere Enkelin eine UV abschließen. Es wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie mir Ihre Alternative mitteilen könnten. Vielen Dank

    Liebe Grüße

    K.-H. Kupfer

    • Hallo Franz,

      vielen Dank für Ihren Hinweis. In der Tat verursacht Ihr „Wink“ ein schlechtes Gewissen bei mir. Daher werde ich die geschuldete Antwort hier nachholen.

      Die Beschwerde wurde von der Interrisk beantwortet. Die Interrisk hat uns nachgewiesen, welche Kosten die Schadensregulierung und Schadensbearbeitung insgesamt verursacht hat. Jede Schadenmeldung verursacht – ob Leistung erfolgt oder nicht – interne „Bearbeitungskosten“ von ca. € 200 – € 300 je Vorgang (je nach Sparte und Versicherer).
      Insgesamt musste ich den Argumenten der Interrisk folgen und eingestehen, dass die Vertragskündigung kaufmännisch zu aktzeptieren ist.

      Das eigentliche Problem des Kunden war, dass kein Kontakt mehr zum ursprünglichen Vermittler bestand. Wäre das der Fall gewesen, hätte die Möglichkeit bestanden, eine eigene Vertragskündigung des Kunden zu vollziehen. Damit gäbe es keine „negative“ Kündigung durch den Versicherer und eine Neueindeckung bei einem anderen Unternehmen wäre einfach durchzuführen gewesen. Wir erhalten von vielen Versicherern z.B. eine „Hinweis“ (!), dass die Schadenquote ein Kündigung des Versicherers verursachen „könnte“ (!). Das ist für uns das Signal, den Vertrag selbst zu kündigen und das Risiko woanders einzudecken.

      Nachdem wir das Maklermandat des Kunden erhielten (nach der Kündigung durch die Interrisk), fragten wir eine Unfalldeckung bei 5 (!) Versicherern mit sehr guten bis guten Bedingungswerken für eine Unfallversicherung und erhielten 5 Ablehnungen wegen Kündigung durch die Interrisk.

      Nur der Zufall half uns – bzw. dem Kunden – einen neuen, sehr guten Unfallschutz zu erhalten. Wir hatten gerade zu der Zeit einen neuen Unfall-Tarif zu Prüfung des Konzeptes auf dem Tisch. Wir stellen fest, dass diese neue Unfallversicherung ein überdurchschnittliches Bedingungswerk hat, das nahe an die Qualität der Interrisk heranreicht. Es gibt dort sogar ein bis zwei „Bonbons“, die bei der Interrisk nicht enthalten sind. Auch die Prämie ist als moderat zu bezeichnen.

      Wir nahmen den neuen Kontakt in die Pflicht und fragten nach einer Deckung. Wir legten die Schadenübersicht mit Schadenquote der Interrisk bei … und erhielten die Deckung !

      Abschließend möchte ich betonen, dass unsere erste Wahl bei Unfallversicherungen noch immer die Interrisk ist; jedenfalls so lange sie das (für uns) hochwertigste Deckungskonzept bei UV anbieten kann. Es ist aber beruhigend für uns als Makler, eine sehr gute Alternative zu haben 🙂

      Gruß
      FRF

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*