Klassische Altersvorsorge – Kapitalschwund

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klassische Altersvorsorge

Klassische Altersvorsorge – Verträge enttäuschen

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Fachmedien und die Presse berichten regelmäßig vom Notstand der klassischen Altersvorsorgeprodukte wie Lebens- und Rentenversicherungen. Einzig der Interessensverband deutscher Lebensversicherer (GDV) und einige wenige Lobbyisten versuchen das Debakel herunter zu spielen.

Die Befürworter der klassischen Policen zur Altersvorsorge werden nicht müde zu erwähnen, dass nur klassische Altersvorsorge eine Kapitalgarantie vorsieht, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben verbrieft ist. Dass solche „Durchhalteparolen“  wenig stichhaltig sind und leicht zu widerlegen, möchten wir in diesem Artikel offensichtlich machen.

Gesamtverzinsung sinkt – Garantieleistungen in Gefahr

Die Mindestverzinsung (korrekt: Höchstrechnungszins) von aktuell 1,75% p.a. reicht nicht aus, um die garantieren Leistungen sicher zu stellen. Die Überschüsse aus eingesparten Verwaltungs- und Risikokosten sind zukünftig kaum mehr in der aktuellen Größenordnung zu erzielen, da die meisten Versicherer bereits die größten Einsparungsaktionen in der Verwaltung abgeschlossen haben. Weitere Einsparungen würden zu Lasten des laufenden Betriebes gehen. Die Risikokosten sind bereits „mit spitzer Feder“ kalkuliert. Durch die überwiegende Anlage in vermeintlich sichere Zinspapiere werden immer weniger Erträge aus den Kapitalanlagen verwirtschaftet. Die jährlichen Gesamtüberschüsse fallen immer  schmaler aus, was in Summe dazu führt, dass die Gesamtrendite für die klassische Altersvorsorge seit Jahren sinkt.

Inflationsausgleich ist keine Altersvorsorge

Es wird erwartet, dass schon Jahr 2014 der Höchstrechnungszins noch einmal gesenkt wird. Insgesamt nähert sich damit die Gesamtverzinsung für die klassische Altersvorsorge mit Lebens- und Rentenversicherungen einer Rendite die gerade noch ausreicht, um den Wertverlust durch Inflation auszugleichen. Von einer lohnenden Rendite, die für den langfristigen Aufbau einer privaten Altersvorsorge notwendig ist, kann nicht mehr gesprochen werden.

Detaillierte Erläuterungen der Zusammensetzung von Überschüssen für die klassische Altersvorsorge und unsere Erläuterungen, ob solche Verträge zur Altersvorsorge taugen, finden Sie in unserem Beitrag „Kapitallebensversicherungen – als Altersvorsorge geeignet ? „

Senkung der Überschüsse bereits beim Versicherungsnehmer angekommen

Das oben gezeichnete Szenario ist nicht erst in den nächsten Jahren zu erwarten. Schon in diesem Jahr mussten ersten Versicherungsgesellschaften reagieren. So gibt es bereits Verträge, in denen die Senkung der Überschüsse schon heute deutlich wird und Kunden höhere Nettobeiträge zu zahlen haben.

Lesen Sie dazu unseren Beitrag „Überschussbeteiligung sinkt – Verträge werden teuer“

Unbemerkte Reduzierung der Ablaufleistungen

Die regelmäßige Reduzierung der Überschussbeteiligungen der letzten Jahre ist jedoch an den meisten Versicherungsnehmern unbemerkt vorbei gegangen. Nur wenige Kunden eines klassischen Altersvorsorgeproduktes dürfte bemerkt haben, dass die jährlichen Wertmitteilungen zu den Policen regelmäßig weniger Ablaufkapital bzw. Gesamtrenten in Aussicht stellen.

Exemplarisch zeigen wir hier einen konkreten Vertrag eines unserer Kunden, der im Jahr 2003 als ersten privaten Baustein seiner Altersvorsorge einen „sicheren“ Rentenvertrag anschaffen wollte.

Ein echter Fall – Vertragsdetails:

Klassische Altersvorsorge mit privater Rentenversicherung (mit Kapitalwahlrecht); Beginn: 01.09.2003; Ablauf: mit 65 Jahren; Laufzeit: 37 Jahre; Dynamik: 5% p.a., Beitragsbefreiung bei BU, garantierte Rente : € 163,00, garantierte Kapitalabfindung: € 33.071,00, Beitrag zu Beginn: € 52,40 (Nettobeitrag € 50,00).

Höchstrechnungszins in 2003: 3,25%. Marktdurchschnitt Gesamtverzinsung in 2003: 4,91%

Vertragsentwicklung im Zeitverlauf

klassische Altersvorsorge

Im Verlauf wird deutlich, dass die Reduzierung der Überschüsse dem Kunden seit 2010 bis heute fast € 7.000 an Ablaufleistung bzw. € 35,00 an monatlicher Rente gekostet hat. Das entspricht einem Wert von ca. 11%. Und das, obwohl der Kunde in den letzten 10 Jahren nur 2x die Dynamisierung abgelehnt hat, also fast jährlich höhere Sparbeträge in den Vertrag flossen.

Das Märchen der „lukrativen Policen“ klassischer Altersvorsorge

Unser Beispiel zeigt eindeutig, dass die hoch gelobte und als „lukrativ und sicher“ deklarierte klassische Altersvorsorge den meisten Sparern statt der erwarteten Zusatzrente nur eines bringt: Enttäuschung und schlecht verzinste Sparleistungen.

Altersvorsorge braucht Rendite

Versicherungsnehmer klassischer Verträge zur Altersvorsorge haben keinerlei Einfluss auf Renditen aus den Kapitalanlagen. Sie sind abhängig vom Anlagemanagement, der Qualifikation und dem Risikomanagement der Versicherer innerhalb eines gesetzlichen Rahmens. Aus diesem Grund bin ich  schon immer ein Verfechter der fondsgebundenen Policen. Hiermit lassen sich durch überwiegende Investition in Aktienfonds Renditen weit oberhalb der Inflation erzielen. Darüber hinaus kann jeder Versicherungsnehmer das Risiko innerhalb seiner Police zu jeder Zeit verändern. Ganz nach seinen Erwartungen an den Kapitalmarkt oder nach seiner persönlichen Risikoneigung.

Fondspolicen risikoreich ? Unkenntnis oder Interessensgesteuert ?

Wenn fondsgebundene Policen als risikoreich und unsicher bezeichnet werden, drängt sich die Frage auf, ob solche Aussagen von Unkenntnis zeugen oder interessensgesteuert sind? Immerhin profitieren die Versicherungsgesellschaften bei Fonds-Policen nicht von der Kapitalanlage, die zu jeder Zeit dem Versicherungsnehmer gehört. An den Anlagegewinnen klassischer Produkte zur Altersvorsorge sind Versicherer immerhin mit bis zu 10% beteiligt. Bei Anlagegewinnen fondsgebundener Verträge gehen die Versicherer indes leer aus.

Unser Service

Benötigen Sie Hilfe, um ein bedarfsgerechtes Produkt, welches auf Ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche ausgerichtet werden soll, zu finden? Wir helfen Ihnen gern. Sofern Sie uns nicht in unserem Büro besuchen können, führen wir auch gern eine Online-Beratung via „Online-Konferenz“ durch.

Foto: altersarmut++53×722+ID442938 / Copyright-balzer-le-photos

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5 Antworten zu “Klassische Altersvorsorge – Kapitalschwund”

  1. Hallo Herr Birke,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Um Mißverständnisse (und Verwirrung) bei den Lesern vorzubeugen, möchte ich auf Ihre Einwürfe eingehen:

    Es ist korrekt, dass Versicherer heute noch in der Breite Kickbacks aus den Fonds erhalten. Immerhin müssen diese heute ausgewiesen werden, was dazu führen wird, dass sie dem Anleger weitestgehend gutgeschrieben werden. Die ersten Produktaktualisierungen zeigen diese Entwicklung bereits.

    Die Aussage der 10%igen Beteiligung der Versicherer bei klassischen Produkten bezieht sich jedoch – wie genannt – auf das ERGEBNISS der Kapitalanlagen der Versicherer. Eine sicherlich gewichtigere Größenordnung und Wirkung für den Anleger, als Kickbacks in der Höhe von 0,1 bis 0,5% aus den Fondsvolumina in der Police. Es bleibt dabei aber durchaus festzustellen, das beide Positionen zur Wertentwicklung der Kundengelder fehlen.

    Als Allheilmittel sehe ich Fondspolicen nicht; der Eindruck wurde im Artikel sicher auch nicht erweckt. Fondspolicen stellen für mich jedoch eine deutlich bessere Alternative zu klassischen Produkten dar. In Ermangelung anderer sinnvoller Produktkategorien zur langfristigen Altersvorsorge sind Fondspolicen – gerade unter dem Gesichtspunkt der dringend benötigten Renditechance, um ein gestecktes Vorsorgeziel zu erreichen – im aktuellen Umfeld nahezu die einzige Wahl.

    Garantiebausteine in Fondspolicen – da sind wir uns ebenfalls einig – sind Renditekiller und bei langfristigem Zeithorizont und hochwertigem Fondsuniversum in der Police unnötig. Wo das bei den Verbrauchern noch nicht angekommen ist, ist der Berater gefragt, hier aufklärend tätig zu werden. Und doch verlangen immer wieder Kunden zumindest nach Mindestgarantien, wie Kapitalerhalt oder Mindestrente.

    Gruß
    Frank Rindermann
    FRF Finanzmakler

  2. Stimme dem Artikel in vielen Punkten zu. Nur bei einem erscheint mit ein genaueres Hinsehen sinnvoll. Vor allem, um der eigenen Argumentation nicht durch vermeidbare Fehler oder Unterlassungen das Wasser abzugraben und damit zu schwächen:

    Zitat:
    „Immerhin profitieren die Versicherungsgesellschaften bei Fonds-Policen nicht von der Kapitalanlage…“

    Soweit ich die Produktinformationsblätter richtig verstehe, ist dem eben doch so. Und glücklicherweise dürfen die Anbieter heute nicht mehr verehimlichen, dass auch aus den Fondsanlagen sogenannte Kickbacks an die Versicherung fließen, die oft nur teilweise oder gar nicht an die Anleger weiter gereicht werden.

    Zitat:
    …“An den Anlagegewinnen klassischer Produkte zur Altersvorsorge sind Versicherer immerhin mit bis zu 10% beteiligt. Bei Anlagegewinnen fondsgebundener Verträge gehen die Versicherer indes leer aus.“

    Es sei denn, in der Managementfee des Fonds ist auch eine erfolgsabhängige Komponente vorhanden. Dann bekommt vielleicht die Versicherung davon keinen Anteil, sondern die Fondsgesellschaft. Aber der Effekt ist der gleiche. Wenn auch aus meiner Sicht dies ein eher unkritischer Punkt ist, wer gut für die Anleger wirtschaftet, soll auch gerne daran beteiligt werden. Das bringt beider Interessen und Motivation in die gleiche Richtung. Was gibt es Sinnvolleres bei jeglicher Zusammenarbeit?!

    Grundsätzlich würde ich vorsichtig sein, die Fondspolicen als Allheilmittel darzustellen. Einfach mal ein Produktinformationsblatt und Taschenrechner zur Hand nehmen, Exel-Tabelle erstellen, die möglichen Verläufe der Vertragsentwicklung aus den Bedingungen heraussuchen und die Kosten errechnen. Keine höhere Mathematik, nur Fleiß. Es gibt auch hier oft extrem hohe Entnahmen der Versicherer, die sich in scheinbar kleinen Promille pro Monat oder Jahr aus dem Fondsvolumen bedienen. Und dadurch schnell 20-, 30- oder 50.000 € laufende Kosten verursachen.
    Im Vergleich dazu nehmen sich übrigens die viel gescholtenen Vertriebsprovisionen von 4-5% fast schon niedlich aus. Und die aktuelle Polemik hierzu lenkt nur vom eigentlichen Kostentreiber, nämlich den laufenden Entnahmen der Versicherungen ab. Und dies gilt eben auch und gerade bei Fondspolicen. Was die sogenannten „klassischen“ Varianten keineswegs besser macht, darin sind wir uns einig.

    Ganz übel wird es übrigens, wenn Garantien eingebunden sind. Die kosten natürlich extra, und nicht zu knapp. Zudem schränken sie ein, dass überhaupt Geld in der Fondsanlage ankommt. Wieviel das ist, hängt wiederum vom erzielbaren Zins ab… Um so niedriger dieser ist, um so mehr muss für die Garantie abgezweigt werden. Ein Teufelskreis.

    Mir geht es hier bewusst nicht darum, das eine oder das andere zu verdammen. Sondern eben auch die Vor- und Nachteile von Alternativen zu besprechen.

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