Klassische Altersvorsorge noch sinnvoll ?

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klassische Altersvorsorge

Klassische Altersvorsorge noch sinnvoll ?

oder: Der Spatz in der Hand … macht auch nicht satt !

Ein Artikel von Finanzblog im Rahmen der Expertenwoche Altersversorgung (#EWAV2014)

Vom 13. bis 17. Oktober 2014 findet die Expertenwoche Altersversorgung statt, eine Informations-, Diskussions- und Weiterbildungswoche für Versicherungsmakler, Vermittler und Versicherungsexperten. Ziel ist der Wissenstransfer unter Fachleuten, der Austausch und die Diskussion von Lösungsansätzen.

Jeder kennt sie und fast jeder hat sie. Klassische Altersvorsorge, also Produkte wie kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherung sind weit verbreitet. Doch der Absatz solcher Verträge zur Altersvorsorge stockt. Nicht erst seit die Überschussbeteiligungen Jahr für Jahr immer geringer für die Sparer ausfallen, werden klassischen Produkte kritisch betrachtet. Finanzblog hat dazu bereits in dem Beitrag „Kapitallebensversicherungen – als Altersvorsorge noch geeignet ?“  eine ausführliche und kritische Betrachtung veröffentlicht.

Kennzeichen klassischer Altersvorsorge

Hauptmerkmale dieser klassischen Produkte zur Altersvorsorge sind die Faktoren

  • garantierter Rechnungszins (korrekt: Höchstrechnungszins / ab 2015 = 1,25%)
  • Sicherungsvermögen (früher: Deckungsstock)

Das Sicherungsvermögen (Deckungsstock) wird aus den Sparraten gebildet, der nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sowie der Versicherungskosten (z.B. Todesfallsumme u.ä.) für den Vertragsinhaber tatsächlich angespart wird. Nur dieser Teil partizipiert also vom Rechnungszins und weiteren Überschussbeteiligungen. Das Sicherungsvermögen wird dabei von dem jeweiligen Versicherungsunternehmen gehalten und verantwortet.

klassische Altersvorsorge

Die o.g. Faktoren der Produkte klassischer Altersvorsorge machen in der Kombination diese Produktkategorie wenig sinnvoll. Zum einen ist der garantierte Rechnungszins abhängig von der Zinsentwicklung 10-jähriger europäischer Staatsanleihen, welche seit Jahren rückläufig sind. Zum anderen unterliegt das Sicherungsvermögen (Deckungsstock) strengen Anlagevorschriften, welche die Versicherer einzuhalten haben. Überwiegend muss der Deckungsstock in risikoarmen Anlagen wie Hypotheken, Immobilien und festverzinslichen Wertpapieren investiert sein. Die Anlage in Aktien, welche eine wesentlich höhere Renditeaussicht aufweisen, aber eben auch Kursschwankungen unterliegen, hat der Gesetzgeber auf 35% des Deckungsstocks beschränkt. Weil deutsche Versicherer im Durchschnitt aktuell jedoch nur ca. 5% in den Aktienmärkten angelegt, werden Sparern in der klassischen Altersvorsorge bedeutende Renditechancen vorenthalten. Angelsächsische Versicherer erzielen seit jeher viel höhere Vertragsrenditen, weil sie deutlich höhere Quoten in den Aktienmärkten investieren.

Rendite klassischer Altersvorsorge sinkt gegen Null

Trotz aller Werbebotschaften und vehementer Verteidigung der klassischen Produkte zur Altersvorsorge ist nicht zu leugnen, dass die Renditen solcher Produkte kaum noch eine sinnvolle Altersvorsorge zulassen. Im Durchschnitt schreiben deutsche Lebensversicherer ihren Kunden in 2014 etwa 3,6% Gesamtverzinsung gut. Für den Verbraucher mag sich eine Verzinsung von 3,6% noch recht passabel anhören. Die echte Beitragsrendite für jeden tatsächlich eingezahlten Euro liegt jedoch aktuell nur noch bei ca. 3%, da – wie oben aufgezeigt – nur der Sparanteil im Deckungsstock verzinst wird und nicht der volle Beitrag. Nicht vergessen werden darf die Inflation. Was bleibt nach Abzug von 2,5% Inflation p.a. (langfristiger Durchschnitt) von der Beitragsrendite übrig ? Es könnte sich die Frage aufdrängen, wie der Verbraucher mit stets begrenztem Budget für seinen Lebensabend eine auskömmliche und sinnvolle Altersvorsorge aufbauen kann, wenn der wichtigste Faktor seiner Altersvorsorge – die Rendite seiner Sparbeiträge – nur noch leicht über Null liegt ?

Sie möchten Details, warum klassische Produkte kaum als Altersvorsorge geeignet sind ? Lesen Sie „Klassische Altersvorsorge – Verträge enttäuschen“

 Klassische Altersvorsorge – ein Auslaufmodel ?

Für den Verbraucher stehen noch immer über 400 verschiedene klassische Produkte aus allen drei Schichten bei deutschen Versicherern zur Wahl. Auch wenn bereits Versicherer das Neugeschäft eingestellt haben, ist die Auswahl noch groß. Warum ist das so ? Nach meiner persönlichen Einschätzung ist die Erklärung recht simpel:

  • Klassische Lebens- und Rentenversicherungen kennt jeder und besitzt fast jeder.

Anmerkung: Was jeder hat, kann ja nicht schlecht sein ! So denken viele Menschen; Sie auch ?

  • Der Verbraucher erhält ein Produkt, das – vermeintlich – einfach zu verstehen ist.

Anmerkung: Ich zahle Geld ein. Im Todesfall bekommt jemand die Versicherungssumme. Wenn ich am Leben bleibe, bekomme ich das Geld (Kapital oder Rente) bei Vertragsende; fast wie ein langlaufendes Sparbuch.

  • Klassische Versicherungen bieten eine „Sicherheit“ in Form von Beitragsgarantie, garantierte Versicherungssumme, garantierte Rückkaufswerte, garantierte Rentenzahlungen und eine garantierte Mindestverzinsung.

Anmerkung: Das lässt sich vom Verkäufer sehr schön darstellen. Was Du einzahlst ist Dir am Vertragsende garantiert. Du kannst nichts verlieren. Wenn Du doch mal kündigen musst, gibt es auch Geld (wieviel genau, wird meist nicht gesagt) zurück. Du bekommst jährlich mindestens X% Zinsen auf Dein Geld (auf welches Geld genau, wird meist auch nicht erläutert).

Versicherer haben – wie auch Banken – ein großes Interesse daran, das Geld der Sparer „günstig“ zu erhalten. Immerhin erzielen die Versicherer in der Regel mit dem Kundengeld hohe Gewinne (Glaspaläste!) und geben vielen tausend Menschen gut bezahlte Arbeit. Gerade Letzteres könnte einer der Gründe sein, warum solche unrentablen Produkte von der Politik und den Lobbyisten noch immer „behütet“ werden.

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach ?

„Wenn doch klassische Produkte durch die Garantien wenigsten einen kleinen, sicheren Ertrag abwerfen, warum sollte ich dann mein Geld in Produkte investieren, bei denen ich nicht weiß, was am Ende raus kommt oder ich sogar mit leeren Händen dastehe ? Dann doch lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“

Verständliche Fragen dieser Art, sind häufiger zu hören. Alles Unbekannte macht bekanntlich Angst und rät zur Vorsicht. So ist es auch mit Produkten fondsgebundener Altersvorsorge. Hier fließen die Sparanteile nicht in einen wenig rentierlichen Deckungsstock eines Versicherers, sondern in Investmentfonds, die der Sparer selbst – oder gemeinsam mit seinem Berater – aussucht und jederzeit den Gegebenheiten anpassen kann. Damit bestimmt der Sparer selbst, wie viel Risiko er eingehen und ob oder wann er dieses Anlagerisiko erhöhen oder reduzieren möchte. Damit eröffnen sich flexible Möglichkeiten um die notwenige Rendite für eine höhere Altersrente zu erzielen, als er es mit klassischen Produkten könnte. Eine Beratung bei einem versierten Versicherungsmakler macht schnell deutlich, dass „Risiko“ immer relativ zu sehen ist und – vor allem – das Risiko durchaus veränderlich ist und kein Grund besteht Angst zu haben, am Ende leer auszugehen. Der Autor selbst empfiehlt seit über 22 Jahren für die Altersvorsorge fondsgebundene Rentenversicherungen. Rund 95% seiner Kunden besitzen fondsgebundene Rentenversicherungen als Altersvorsorge, welche heute – nach einer Laufzeit von 15 – 20 Jahren – eine Rendite von ca. 6% p.a. in ihren Verträgen erzielen; nach Kosten wohlgemerkt. Solche Beitragsrenditen konnten klassische Produkte selbst in den Hochzeiten nicht erzielen. Die vermeintliche Sicherheit klassischer Produkte werden mit niedrigen Netto-Beitragsrenditen erkauft, die heute – nach Inflation – nahe Null liegen.

Was nutzt also der Spatz in der Hand, wenn Sie davon im Alter nicht satt werden ?

Fehler in der Planung der Altersvorsorge sind vermeidbar

Mit ein wenig gesundem Menschenverstand und einem spezialisierten Versicherungsmakler können Sie die größten Fehler bei der Altersvorsorge vermeiden. Um eine bedarfsgerechte und renditeorientierte Altersvorsorge aufzubauen, benötigt es Grundkenntnissen von Zins- und Kapitalmärkten. Weiterhin braucht es einen Sparbetrag, der groß genug ist, um das anvisierte Rentenziel auch erreichen zu können und eine möglichst genaue Vorstellung über das angepeilte Rentenziel. Die Produktauswahl alternativer Produkte außerhalb der klassischen Altersvorsorge vertrauen Sie einem versierten Versicherungsmakler an, der Ihre Ruhestandplanung sodann ausarbeiten und laufend betreuen wird.


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