Kryptowährungen – Zukunft oder Tulpenzwiebeln?

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Kryptowährungen

Kryptowährungen – das neue Geld oder kryptische Tulpenzwiebeln?

Alles begann im Jahr 2008, als ein gewisser Satoshi Nakamoto das Whitepaper „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System” veröffentlichte. Schnell wurde klar, dass er nur ein Pseudonym benutzte. Wer hinter Satoshi Nakamoto steckt, ist bis heute unklar. Der Erfinder der Blockchain (das eigentliche Konzept hinter dem Bitcoin) beschrieb in seinem Aufsatz ein System und eine Währung, welche das bekannte Zahlungssystem der Bankenwelt auf den Kopf stellen sollte. Diese Währung sollte weltweit gültig sein, teilbar, sicher, limitiert, schnell und ohne zentrale Aufsichtsorgane (wie z.B. Zentralbanken) funktionieren.

Zu Beginn erkannten nur Insider und Software-Entwickler die Chancen und Möglichkeiten der Blockchain. Erste einige Jahre später geriet die Zahlungseinheit des Systems – der Bitcoin – ins Visier von Spekulanten. Was als kleines Honorar für die Blockchain-Netzwerker (sog. Miner) gedacht war, entwickelte sich zu einer gigantischen Spekulationsblase. In den letzten 2 Jahren stürmen Berichte um den Bitcoin die Gazetten, Onlinemedien und Social-Media-Portale. Bitcoins machten Mutige in wenigen Monaten zu Millionären.  Menschen aus allen Berufen und sozialen Schichten, Rentner und sogar Aussteiger auf Mallorca oder in Thailand machen auf einmal in Bitcoin. Alle glauben an den großen Wurf, an eine wohlhabende Zukunft.

Was ist nun dran, an dem Hype um die Kryptowährungen? Sind die Kryptos wirklich das neue Geld oder nur eine moderne, kryptische Form der bekannten Geschichte um die Spekulation mit Tulpenzwiebeln, die 1637 mit dem Platzen der wohl ersten Spekulationsblase der Neuzeit endete.

Mit Bitcoins zum Millionenvermögen oder 60% Verlust

Der erste Kurs für einen Bitcoin wurde 2010 öffentlich bekannt gegeben. Der höchste in 2010 ermittelte Preis für einen Bitcoin lag bei 0,39 Dollar-Cent. Wer also 2010 für 100 US-$ ungefähr 250 Bitcoins kaufte, hatte 10 Jahre später – zum Höchststand des Bitcoin am 11.12.2017 – ein Vermögen von über 4 Millionen Euro im Depot. Durch den Kursrückgang in den letzten Monaten ist dieser Wert bis heute auf ca. 1,6 Millionen Euro geschrumpft.

KryptowährungenGlaubhaft sind also wenigstens ein paar der Geschichten von Bitcoin-Millionären, die frühzeitig in den Jahren 2010 bis Anfang 2017 eingestiegen sind. Wer erst später auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist, sitzt möglicherweise heute auf herben Verlusten. Etwa ab Frühjahr 2016 trat der Bitcoin durch die starke Verbreitung in den Medien seinen Siegeszug an. Innerhalb von nicht einmal 2 Jahren stieg der Kurs des Bitcoin auf knapp  20.000 US$. Wer an die Prognosen von Kursen bis zu 100.000 US$ für einen Bitcoin glaubte und zum Höchstkurs kaufte, hätte bis heute rund 60% seines Vermögens verloren.

Verluste entstehen oft durch Gier und Unwissen

Die Opfer von Spekulationen sind leider immer die gleichen. Sie springen auf fahrende Züge, in der Hoffnung, auch ein Stück vom Kuchen „Reichtum“ abzubekommen. Erinnerungen an die Dot-Com-Blase Ende der 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts werden wach. Es wird etwas gekauft ohne zu verstehen, was hinter dem Kaufobjekt tatsächlich steckt. Unwissenheit und Gier; nur selten eine gute Mischung menschlicher Eigenschaften.

Dabei ist es nicht schwer im Zeitalter des Internets, grundlegende Fakten über jedes Anlageobjekt zu erhalten. Die Kunst ist freilich allein, bewusste Fehlinformationen – die gern von Spekulanten gezielt gestreut werden, um die eigenen Gewinne zu erhöhen – von Fakten zu trennen.

Die wichtigsten Fakten zu Bitcoin & Co.

Die bekanntesten Kryptowährungen sind Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH) und Ripple (XMR). Inzwischen gibt es tausende verschiedene Kryptowährungen. Alles Ableger oder Weiterentwicklungen des Bitcoin. Auf der Webseite CoinMarketCap werden aktuell 1.624 verschiedene Kryptos gelistet. Der Gesamtwert aller dort gelisteten Kryptowährungen beträgt aktuell (Stand Mai 2018) fast 290 Milliarden Euro.

Um das Wesen und die Funktionen rund um Kryptowährungen zu verstehen, gibt es eine gut verständliche Informationsgrafik zu Bitcoins & Co. auf smava.de. Interaktiv findet man dort die wichtigsten Informationen zu den unterschiedlichen Teilbereichen von Kryptowährungen.

Was genau steckt hinter Kryptowährungen?

Kryptos wie Bitcoin & Co. existieren nur durch die Blockchain. Die Blockchain ist das Herzstück der Kryptos. Quasi der Quellcode der kryptografischen Anwendung. Die Kryptos sind die Werteinheit der jeweiligen Blockchain-Anwendung.

Die Blockchain braucht keine Währung wie den Bitcoin. Aber eine Kryptowährung braucht immer die Blockchain.

Der Urgedanke der Blockchain basiert auf der Idee, den Transfer von Geld nicht in die Hände von staatlich organisierten Systemen zu legen, sondern ausschließlich von einem Netzwerk (den Sendern und Empfängern der Geldüberweisung sowie anderen Teilnehmern im Netzwerk) vollzogen werden kann. Um es sicher und frei von Manipulationen zu machen, werden alle Transaktionsdaten in einem „Block“ im Netzwerk zuerst gesammelt, dann von allen Netzwerkteilnehmern bestätigt und in der Blockchain dokumentiert und archiviert. Die Blockchain fungiert als dezentrale, nicht manipulierbare, transparente Datenbank, die zu jeder Zeit alle Transaktionsdaten unveränderbar archiviert.

Der Wert steckt in der Technologie

Die Blockchain-Technologie kann als Basis für revolutionäre Anwendungstechniken in der Wirtschaft genutzt werden. Durch diese Technologie kann jede Form von Handelsobjekten oder alle Arten von Daten in sich selbst regulierenden Netzwerken abgewickelt und archiviert werden. So wurde z.B. Ethereum dazu geschaffen, um ein Datenbanknetzwerk für Vertragsabwicklungen vorzuhalten. Ripple wiederum ist ein von Banken genutztes Zahlungssystem und Handelsplattform für Devisen. Die Zahlungseinheit für diesen Blockchain-Code ist XRP (auch Ripple genannt).

Die unendlichen Möglichkeiten der Blockchain-Technologie haben z.B. auch Finanzunternehmen wie Goldman Sachs erkannt. Oder Computerfirmen wie IBM. Hier werden große Summen investiert, um die wirtschaftliche Nutzung von Blockchain-Anwendungen zu erforschen.

Bitcoin als Spekulationsobjekt von Anfang an geplant?

Zugegeben, eine gewagte Frage. Wie komme ich zu einem solchen Gedanken?

Nach 10 Jahren Kryptowährungen bleibt festzustellen, dass der Traum Nakamotos sich nicht erfüllt hat. Der Bitcoin (stellvertretend für auch alle anderen Kryptos) ist von den Regierungen nicht als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. Wenn auch die Anzahl der Unternehmen wächst, bei denen mit Bitcoin bezahlt werden kann, so bleibt die breite Masse dem Bitcoin gegenüber skeptisch. Wer möchte eine Zahlung in Bitcoin entgegen nehmen, wenn der Kurs ein paar Tage später möglicherweise nur noch die Hälfte wert ist?

Ein Bitcoin hat – genau wie Zentralbankgeld auch – keinen eigenen inneren Wert. Der Preis eines Bitcoins richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Künstliche Verknappung steigert diesen Effekt. Bis heute sind – seit 2009 der erste Bitcoin elektronisch geschaffen wurde – knapp über 17 Millionen Bitcoins im Umlauf. Aktuell kommen pro Jahr ca. 4% hinzu. Diese Zuwachsrate verringert sich im Laufe der Zeit planmäßig. Die Schaffung neuer Bitcoins wird regelmäßig erschwert, was dazu führt, dass nur noch wenige Miningpools (Zusammenschlüsse mehrerer Großrechneranlagen in sog. Mining-Farmen) technisch in der Lage sein werden, neue Bitcoins zu produzieren. Die Kosten für den gigantischen Stromverbrauch steigen dabei drastisch an. So wird das Minen immer unrentabler.

Gemäß Nakamotos Vision sollen bis zum Jahr 2140 per Mining 21 Millionen Bitcoins geschaffen worden sein, dann ist Schluss. Aha, künstliche Verknappung! Das Jahr 2140 erscheint mir dabei willkürlich. Immerhin eine extrem lange Zeit bis dahin. Das lässt der „Wertschöpfung“ – oder sollte ich sagen der Spekulationsfrist – genügend Zeit. Hat Nakamoto vielleicht die Spekulation mit dem Bitcoin vorausgesehen? War die Vision einer neuen, freien, unregulierten Währung nur Fassade, um ein gigantisches Wertschöpfungsmodell zu installieren? Wie ein Schnellballsystem, bei dem nur die Initiatoren und die sogenannten „First Mover“ wirklich Profit abschöpfen? Die letzten – die dann noch immer besinnungslos vor Gier in der Blase schwimmen – beißen die Hunde.

Vielleicht war für Nakamoto der Bitcoin aber doch nur die Zahlungseinheit in der Blockchain und er hatte niemals daran gedacht, dass der Bitcoin für die meisten Menschen einmal das eigentliche Objekt der Begierde sein würde.

Solange Nakamoto unerkannt bleibt, werden wir das nie genau erfahren. Schade eigentlich.

Wann platzt die Krypto-Blase?

Ich habe natürlich keine Glaskugel auf meinem Schreibtisch. Eine Spekulationsblase platzte in der Vergangenheit immer dann, wenn öffentlich wurde, dass gezahlte Preise für die Anlageobjekte keinen Gegenwert hatten. Dann wollen alle Anleger auf einmal ihr investiertes Geld zurück; oder was davon noch übrig ist.

Noch boomt das Geschäft mit den Kryptos. Die größte Handelsplattform für Kryptowährungen in den USA „Coinbase“  hat nach Angaben von Recode 2017 einen Provisionsumsatz in Höhe von 1 Milliarde US$ erzielt. Das ist ein Provisionserlös von 2,74 Millionen US-$ pro Tag. Ein lohnendes Geschäft, wie ich finde. Unabhängig davon, ob Anleger gewinnen oder verlieren. Bekanntlich war es schon immer lohnender Schaufeln und Hacken zu verkaufen, als selbst nach Gold zu graben.

Wo viel Geld verdient werden kann, tummeln sich schnell auch windige Gestalten. Inzwischen gibt es einen Markt für sogenannte Mining-PCs. Das sind Mini-PCs, die angeblich bei der Herstellung von Bitcoins im eigenen Wohnzimmer helfen sollen. Oder es werden Beteiligungen an Mining-Farmen angeboten, bei denen man seinen Einsatz – zwischen € 12.000 bis  € 15.000 – innerhalb von wenigen Wochen durch zugeteilte Bitcoins zurück haben soll. Wer auf solche Geschäftsmodelle hereinfällt, könnte seinen gesunden Menschenverstand durch die Gier nach schnellem Reichtum vergessen haben. Oder er hatte nie einen solchen.

Bei den Kryptos könnte die Blase platzen, wenn Regierungen den Handel verbieten würden. Oder sie das kryptische Zahlungssystem illegal machen.

Bis dahin wird es sicher noch einige Gewinner geben, wie auch viele Verlierer. Die Gier nach schnellem Reichtum wird es richten.


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Über Frank Rindermann 247 Artikel
Frank Rindermann - Ihr Versicherungsmakler in Karlsruhe - ist seit 1991 in der Finanzdienstleistung tätig. 2001 gründete er "FRF Finanzmakler", um als unabhängiger Versicherungsmakler für seine Kunden tätig zu sein. Heute betreut er Privatpersonen, Selbständige und Gewerbe-Kunden mit ihrem gesamten Vertragsuniversum an Versicherungs- und Finanzprodukten. Seine Spezialbereiche sind die Altersvorsorge, die Absicherung von Erwerbseinkommen, die private Krankenversicherung und die Kapitalbildung mit kundenspezifischen Investmentfonds Depots.

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