Online Versicherungsordner – nützlich oder gefährlich ?

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Online Versicherungsordner

Online Versicherungsordner als Smartphone-App – Segen oder Fluch ?

Smartphones erleichtern das Leben und sind längst nicht mehr nur zum Telefonieren oder Musikhören in Gebrauch. Es ist so schön bequem, alle notwendigen Daten, Fotos und Unterlagen jederzeit bei sich zu haben. Surfen, chatten, schnell mal den Kontostand abrufen, rasch noch eine Reiseversicherung am Flugschalter abschließen und Schnappschüsse gleich in die Cloud schieben. Doch wie sieht es mit heiklen Daten aus der Welt der Finanzen und Versicherungen aus ?

Sensible Finanzdaten im Smartphone ?

Wie schön wäre es, wenn wir – ratzfatz – selbst sensible und wichtige persönliche Informationen und Unterlagen unserer Finanz- und Versicherungsverträge im Smartphone verfügbar hätten ? Kein Wühlen mehr in längst vernachlässigten Ordnern. Welche Leistungen hat noch mal meine Hundeversicherung ? Wie erreiche ich am schnellsten den Schadensservice bei einem Unfall ? Wie bin ich eigentlich gegen Berufsunfähigkeit versichert ?

Ein virtueller Online Versicherungsordner. Alle Informationen jederzeit per App auf dem Smartphone abrufbar. Immer sauber und übersichtlich, aufgeräumt und geordnet. Vorausgesetzt die Daten sind vor nicht autorisiertem Zugriff geschützt und die neusten Sicherheitsstandards sind erfüllt.

Wachsende Anzahl von Anbietern

Aktuell buhlt eine Reihe von Anbietern dieser virtuellen Online Versicherungsordner um die Gunst der bequemen Versicherungskunden. Bekannte Namen sind hier u.a. „Clark“, „Knip“ oder „GetSafe“.

Auf den Webseiten der App-Anbieter suggerieren sie dem interessierten Kunden einen einfachen und schnellen Weg, endlich Ordnung und Übersicht in die Vertragswelt aus Finanzen und Versicherungen zu erhalten. Sogar von Beratung und Service ist die Rede.

Virtuelle Onlinemakler – auch nur Versicherungsmakler

Wer nun denkt, die Apps könnten – kostenlos und ohne weitere Verpflichtungen – Ordnung in die bisher chaotische Vertragswelt seiner Finanzen und Versicherungen bringen, irrt leider.

Bei genauerer Betrachtung der Angebote und der AGB´s wird deutlich, dass es sich hier um Versicherungsmakler handelt. Bei „GetSafe“ ist dieser die Plan Forward GmbH aus Heidelberg. Bei den anderen genannten ist die Firma des App-Anbiete selbst als Versicherungsmakler gem. § 34d, Abs. 1 GewO zugelassen.

Nach meiner Rückfrage bestätigten alle drei Anbieter, dass die Nutzung der Apps nur mit einem Maklermandat möglich ist. Die Nutzung der Apps hat also weitreichende Folgen. Dazu später mehr.

Die Nutzung von GetSafe geht mit einer Betreuung Ihrer Verträge einher, d.h. alle mit GetSafe verwalteten Versicherungen werden nicht mehr von dem ursprünglichen Vermittler betreut…“ (Email GetSafe vom 29.07.15)

Versicherungsmakler sind unabhängig von Produktgesellschaften und in der Auswahl ihrer Produkte und erbringen per gesetzlicher Auflagen ihre Leistungen ausschließlich im Sinne ihrer Mandanten. Auch virtuelle Versicherungsmakler unterliegen den gleichen Pflichten an Risikoanalyse, Bedarfsermittlung, Beratung, Betreuung und Dokumentation. Diese Pflichten werden – nach Angaben der Anbieter – telefonisch oder elektronisch per Mail, Chat oder SMS abgewickelt. Selbst eine persönliche Beratung soll möglich sein; wenn man denn im Umfeld von Berlin oder Heidelberg lebt.

Versicherungsmakler oder Versicherungsberater ?

„Wenn du wechseln oder eine ganz neue Versicherung abschließen möchtest, kontaktiert dich einer unserer unabhängigen Versicherungsberater. Unsere Versicherungsberater sind Profis mit langjähriger Erfahrung, die den deutschen Versicherungsmarkt ganz genau kennen. So stellen wir sicher, dass du den Versicherungsschutz bekommst, den du brauchst.“ (Website: Stand 30.07.15)

„Knip“ (Tochter einer Schweizer AG) gibt an, dass eine Vielzahl von „Versicherungsberatern“ für das Wohl der Kunden sorge. Die Zulassung als Versicherungsmakler verbietet allerdings die Tätigkeit als Versicherungsberater, einem geschützten Betriff, welcher nach § 34 e GewO reglementiert ist. Von einem Versicherungsmakler darf erwartet werden, dass er den Unterschied zu einem Versicherungsberater kennt.

Eine leichtfertige Verwendung von geschützten Berufsbezeichnungen hinterlässt einen faden Eindruck. Ganz gleich, ob der Werbetext ungeprüft online gestellt wurde oder ob man es bei „Knip“ nur vermeiden möchte, einen Normalbürger mit rechtlich korrekten Berufsbezeichnungen zu langweilen.

Virtuelle Versicherungsmakler als Vertragssammler ?

Worum es den Betreibern wirklich gehen könnte, wird deutlich, wenn man realisiert, warum die Nutzung der Apps kostenlos ist. Der Preis für die Ordnung in seinem Smartphone könnte nämlich unvermutet hoch sein. Um den versprochenen Service liefern zu können, muss ein Maklermandat erteilt werden; mit allen Rechten und Pflichten für beide Seiten !

Die AGB´s der Anbieter – in welchen u.a. das Maklermandat und die Maklervollmacht geregelt werden – unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von den üblichen Maklervertragsunterlagen. Ob die virtuellen Berater jedoch die Maklerpflichten z.B. durch eine ausführlichen Erstberatung, einer aktuellen Bedarfs- und Risikoerfassung, Hinweise zu bestehenden Existenzrisiken und deren Deckungsmöglichkeiten und vieles mehr, tatsächlich erfüllen können, ist zumindest fraglich. Die virtuelle Welt ist nun einmal eine gesichtslose Welt. Und gerade hier liegt in meinen Augen das entscheidende Defizit dieser Angebote.

Die Anbieter müssen sich die Frage gefallen lassen, ob die virtuellen Online Versicherungsordner im Smartphone nicht nur dazu dienen, Vertragsbestände in großer Zahl einzusammeln, um mit dem Maklermandat die Bestandspflegeprovisionen für die Verträge einzustreichen. Die App verhilft den Anbietern nämlich auf einfache und schnelle Weise, hohe Einnahmen an Bestands- bzw. Folgevergütungen von den Versicherern zu generieren.

Kostenlose Nutzung der Apps – und der Preis dafür

In der Werbung der Anbieter steht im Vordergrund, dass die App und der Service kostenlos sind. Ein gutes Verkaufsargument in unserer heutigen „Geiz-ist-geil“-Zeit. Wie nachhaltig und aufwändig der versprochene Kundenservice der Anbieter sein wird, wenn sich diese zuerst einmal nur über die Bestands- und Folgeprovisionen von den Versicherern der betreuten Verträge finanzieren, bleibt abzuwarten. Klar sollte indes sein, dass der virtuelle Einblick in den Vertragsbestand alle Tore öffnet, um die Kunden mit virtueller Power via Telefon, SMS, Chat, WhatsApp oder Mail zu attackieren, neue oder vermeintlich bessere Verträge abzuschließen.

Achtung – Verlust der Verträge bei Ihrem bisherigen Makler

Vor der Registrierung und Nutzung dieser Apps sollte der Nutzer sich klar machen, dass er einen neuen Maklerauftrag schließen muss und eine neue Maklervollmacht erteilt. Damit werden die entsprechenden Verträge den Anbietern in Ihrer Funktion als Versicherungsmakler zugeschlüsselt. Die Verträge sind dann aus den Beständen Ihrer bisherigen Versicherungsmakler verschwunden. Ihr Makler erhält aus diesen Verträgen keine Vergütungen und keine Informationen zu den Verträgen mehr. Er ist damit nicht mehr in der Lage – und sicher auch nicht bereit – den Kunden und seine Verträge zu betreuen, zu beraten und als Ansprechpartner für alle Finanz- und Versicherungsfragen zur Verfügung zu stehen.

Wer bisher keinen Versicherungsmakler vor Ort hat und auch auf eine enge und vertrauensvolle Bindung bei persönlich wichtigen Finanz- und Versicherungsangelegenheiten verzichten kann, sollte mit einer solchen App gut bedient sein. Es muss aber akzeptiert werden, dass man zu jeder Zeit und über alle Onlinemedien Ziel von Werbeangeboten zu Finanz- und Versicherungsverträgen sein wird.

Finanzberatung lebt von Vertrauen und persönlicher Beziehung

Es ist sicherlich nicht nur ein kurzfristiger Hype, seine Finanz- und Versicherungsangelegenheiten im Smartphone mit sich zu führen. Die Verfügbarkeit von Informationen und Unterlagen kann nützlich sein. Doch wenn es um Beratung zu einer existenziellen Problemlösung geht, um heikle Fragen zu Krankenversicherungen, Einkommensabsicherungen oder Geldanlagen, entscheiden noch immer Vertrauen und persönliche Beziehungen zum Berater. Der Fachbegriff „ROPO“ (Research online – Purchase offline) hat sich durch diesbezügliche Studien etabliert.

Heute gibt es viele Versicherungsmakler die – wie auch ich als FRF Finanzmakler – bereits einen großen Teil Ihrer Beratungen online abwickeln und das Telefon, Skype und Emails zur Unterstützung nutzen. Aber auch hier entsteht erst durch eine individuelle und qualitativ hochwertige Arbeit des Experten der notwendige Vertrauensvorschuss, ohne den der Abschluss von wichtigen Verträgen nicht möglich ist. Namen- und gesichtslose Berater der Onlineanbieter, werden es in der breiten Masse schwer haben, das notwendige Vertrauen aufzubauen. Ob insbesondere die fachliche Qualifikation der App-Berater ausreichend sein wird, muss die Zukunft zeigen.

Dienstleistungen kosten Geld – kostenlos kann umsonst sein

Wer heute Mandant bei einem Versicherungsmakler ist, weiß dessen Leistungen in der Regel zu schätzen. Neben der reinen Beratungsleistung, erbringen diese Kollegen heute eine Vielzahl von Dienstleistungen, die eben nicht (mehr) selbstverständlich und vor allem nicht (mehr) kostenlos sein können.

Versicherungsmakler sind Kaufleute und müssen wirtschaftlich handeln. Nur so sind sie in der Lage, Ihren Job mit der benötigten Souveränität im Sinne Ihrer Mandaten zu machen. Servicepauschalen und Honorare für bestimmte Dienstleistungen sind inzwischen verbreitet. Wer heute noch immer – wie früher üblich – alle Leistungen ohne kaufmännisch kalkulierte Vergütungen anbietet, könnte bald schon von seinem Einkommen nicht mehr leben können. In der Folge müsste er seinen Betrieb aufgeben. Die Leistungen und die investierte Energie der Vergangenheit waren für Makler und Mandanten dann unter Umständen vergeblich. Der Mandant muss sich nämlich einen neuen Makler seines Vertrauens suchen. Alle Beratungen und alle Daten müssen noch einmal durchlaufen werden. Ein zeitaufwändiger Prozess, der nicht immer Spaß macht. So wird aus kostenlos schnell umsonst.

Virtuelle Online Versicherungsordner von Ihrem Versicherungsmakler

Kommen wir zurück von dem Traum eines bequemen, übersichtlichen und virtuellen Online Versicherungsordner auf PC oder Smartphone. Es muss kein Traum bleiben. Solche technischen Möglichkeiten gibt es auch bei Ihrem Versicherungsmaklern um die Ecke. Mit „MyDiverso“ kann jeder Versicherungsmakler seinen Kunden einen virtuellen Online Versicherungsordner für alle Finanz- und Versicherungsverträge, für seine Notfall-Unterlagen, seine Vollmachten und Verfügungen und für sonstige persönliche Dokumente zur Verfügung stellen. Eine geprüfte und sichere Software, die einen echten Mehrwert für den Maklerkunden bietet, hat jedoch einen Preis. Umsonst wird es diese App nicht geben. Es sei denn, Ihr Makler erhält von Ihnen bereits eine jährliche Servicegebühr. Fragen Sie ihn doch einfach einmal danach.

P.S: Der Angesprochene digitale Online Versicherungsordner „MyDiverso“ wird übrigens bald ein neuer Dienstleistungsbaustein für Kunden bei FRF Finanzmakler sein. Wir arbeiten dran !

Foto: smartphone+768352+Geralt+pixabay.com


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Über Frank Rindermann 245 Artikel
Frank Rindermann ist seit 1991 in der Finanzdienstleistung tätig. 2001 gründete er "FRF Finanzmakler", um als unabhängiger Versicherungsmakler für seine Kunden tätig zu sein. Heute betreut er Privatpersonen, Selbständige und Gewerbe-Kunden mit ihrem gesamten Vertragsuniversum an Versicherungs- und Finanzprodukten. Seine Spezialbereiche sind die Altersvorsorge, die Absicherung von Erwerbseinkommen, die private Krankenversicherung und die Kapitalbildung mit kundenspezifischen Investment-Depots.

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