Weniger Rente trotz steigender Einkommen

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weniger Rente
Trotz steigender Einkommen gibt es zukünftig weniger Rente.

Rentenniveau sinkt weiter – Weniger Rente trotz steigender Einkommen

Die aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen den Trend der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland. Das Rentenniveau sinkt seit Jahrzehnten (siehe unseren Artikel „Mogelpackung Rente mit 63“), während das Durchschnittseinkommen regelmäßig steigt. Es gibt also trotz mehr Einkommen und damit höherer Rentenbeiträge weniger Rente im Alter.

Rentenniveau

Das Rentenniveau ist das Verhältnis einer Standardrente (Eckrente) und dem Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer im jeweiligen Jahr. Die Standardrente berechnet sich als Regelalternsrente nach genau 45 Jahren mit jeweils einem Durchschnittseinkommen (entspricht 45 Entgeltpunkte. Das Rentenniveau sinkt seit vielen Jahren.

Zahlen zeigen die Auswirkungen des maroden Rentensystems

Regelmäßig hören wir Beschwichtigungen aus der Politik, die gesetzliche Rente sei noch immer ein fester Anker der deutschen Altersversorgung und werde auch zukünftig ein sicheres Alterseinkommen für Arbeitnehmer darstellen. Immer wieder klingen diese Verlautbarungen der Staatsdiener mit Pensionsansprüchen, die ein normaler Arbeitnehmer selbst in 80 Arbeitsjahren nicht erreichen kann, wie Hohn in meinen Ohren. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass viele Entscheidungsträger der deutschen Politik die Zahlen – und vor allem deren korrekte Deutung – nicht kennen.

Ein wesentlicher Faktor für den Rentenanspruch in der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Berechnung eines sogenannten Entgeltpunktes (EP), welcher als Grundlage für den Rentenwert (Monatsrente für 1 Entgeltpunkt) dient. Einen EP erhält ein Arbeitnehmer, wenn sein Bruttojahreseinkommen genau dem Durchschnittseinkommen des gleichen Jahres entspricht. Hat er weniger Einkommen erzielt, erhält er entsprechend weniger. Mehr als einen EP erhält er, wenn sein Jahreseinkommen über dem Durchschnittseinkommen des Jahres lag. Das Maximum an Entgeltpunkten (2014-West: 2,05 EP) ist mit der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung erreicht (2014-West: € 71.400). Für höhere Einkommen erhalten diese Arbeitnehmer keine zusätzliche Rente.

Ein zweiter wesentlicher Faktor für die Höhe der zukünftigen Rente ist der Rentenwert. Dieser Rentenwert stellt den Gegenwert für jeweils einen EP im Jahr des Rentenbezugs dar.

Bei oberflächlicher Betrachtung sollten die Renten in gleichem Verhältnis wie die Einkommen steigen. Dem ist aber leider gar nicht so, denn es gibt weniger Rente, statt mehr.

Weniger Rente durch den Nachhaltigkeitsfaktor

Die Berechnung der Rente ist durch die relativ simple Rentenformel für jeden nachvollziehbar. Sie lautet

Rentemtl  =  EP * ZF * RAF * aRW

Rentemtl = monatliche Bruttorente  /  EP = Summe der Entgeltpunkte

ZF = Zugangsfaktor (Regelaltersrente = 1 / frühere Rente < 1 / späterer Rentenbeginn > 1)

RAF = Rentenartfaktor (Altersrente = 1 / gr. Witwenrente = 0,55 / Halbwaisenrente = 0,1)

aRW = aktuelle Rentenwert

Der Bösewicht in der Rentenformel ist der „aRW“ (aktuelle Rentenwert). Dieser wird jährlich zum 01. Juli eines Jahres neu festgeschrieben. Er berechnet sich aufgrund der Entwicklung der Bruttoeinkommen, des Beitragssatzes zur Rentenversicherung und über den seit 2004 eingeführten Nachhaltigkeitsfaktor, welcher u.a. das Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern berücksichtigt.

Der unscheinbare Rentenwert spielt durch den Nachhaltigkeitsfaktor eine gewichtige Rolle in der Rentenformel, weil dieser Wert jährlich angepasst werden kann, ohne die Rentenformel – und damit das Rentengesetz – verändern zu müssen. Und genau hier zeigt sich die Problematik des deutschen Rentensystems für die Zukunft.

Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde in voller Kenntnis des demografischen Supergaus in Deutschland eingeführt. Heute ist jedem bekannt, dass immer mehr Rentner von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen. Die Rentner von heute und ganz besonders die zukünftige Generation von Rentnern werden durch diesen Teil der Rentenformel abgestraft. Die Arbeitnehmer freuen sich über laufende Einkommenszuwächse. Die Rentenkasse freut sich über dadurch wachsende Rentenbeiträge. Nur die Rentenempfänger erhalten immer weniger Rente.

Die folgende Grafik verdeutlicht die Realität:

weniger Rente

In den letzten 20 Jahren wurde der Abstand zwischen Durchschnittseinkommen und Rentenwert – also der Gegenleistung für die gezahlten Rentenbeiträge – immer größer. Seit 2003 geht die Schere immer weiter auseinander. Heute bereits müssen 3 Arbeitnehmer Beiträge für 1 Rentner aufbringen. In nur 16 Jahren müssen 2 Arbeitnehmer einen Rentner finanzieren. Da die Beitragssätze zur Rentenversicherung bislang durch eine festgesetzte Höchstgrenze für die nächsten Jahre nach oben gedeckelt sind, werden die geringeren Beitragszahlungen weitere Rentenkürzungen zur Folgen haben. Eben auch über einen geringeren Anstieg der Rentenwerte. Jeder Arbeitnehmer kann somit heute schon erkennen, dass er für seine Beiträge die er heute bezahlt, später selbst immer weniger Rente von den dann aktiven Beitragszahlern erhält.

weniger Rente

Lösungsansatz 1: Staatliche Grundversorgung und kapitalgedeckte Eigenversorgung

Es ist an der Zeit, dass die Politik aufhört, an einem System festzuhalten, dass nicht mehr an den real existierenden Grundlagen ausgerichtet ist. Die Auswirkungen des demografischen Wandels in Deutschland sind bereits seit Jahrzehnten bekannt. Die korrespondierenden Auswirkungen auf die gesetzliche Altersvorsorge können daher niemandem verborgen geblieben sein. Jede offizielle Statistik der Deutschen Rentenversicherung zeigt, dass es kontinuierlich immer weniger Rente gibt.

Ein verantwortungsvoller Sozialstaat kann – aufgrund der bekannten demografischen Entwicklung – nur eine staatliche Grundversorgung für das Alter und die Erwerbsminderung leisten. Damit ist der Weg geebnet, dass jeder Bürger seine Versorgung im Alter und für den Fall einer Erwerbsminderung durch eine kapitalgedeckte Eigenversorgung (z.B. über Versicherungsverträge oder Kapitalanlagen) gestalten kann. Andere Staaten innerhalb und außerhalb Europas haben diesen Weg inzwischen bereits beschritten. Alle Zweifler wurden eines besseren belehrt.

Lösungsansatz 2: Staatliche verordnete kapitalgedeckte Altersvorsorge

Der Generationenvertrag – also die Umverteilung von Beiträgen aktiver Beitragszahler an Altersrentner – könnte als Übergangslösung zur Grundversorgung für die nächsten Jahrzehnte aufrechterhalten werden. Zusätzlich könnte der Staat eine kapitalgedeckte Altersvorsorge zur Pflicht machen. Ähnlich wie bei der Riester-Rente oder der Basis-Rente kann der Staat zertifizierte und überwachte Vorsorgeinstrumente mit staatlichen Zuschüssen unterstützen. Allein die langfristigen Renditen der kapitalgedeckten Vorsorge führen zu einer wesentlich höheren Rente, als die gleichen Beiträge in der aktuellen gesetzlichen Rentenversicherung. Diese höheren Renten führen dazu, dass die Staatsausgaben langfristig geringer ausfallen werden; etwa durch dann nicht mehr notwendige zusätzliche Sozialleistungen für Rentner unterhalb der Armutsgrenze.


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